27.07.2011 23:13

Dorf und Kultur, das sind schon immer zwei Dinge, die nur schwer zueinander finden.

Cursdorf Dorf und Kultur, das sind schon immer zwei Dinge, die nur schwer zueinander finden. Das soll sich nun ändern, und zunächst in Cursdorf und den angrenzenden Orten der Bergbahnregion. Seit März arbeiten zwei Cursdorfer an ihrem Projekt „KultourvorOrt“ Als sich die Porzellankünstlerin Kati Zorn und ihr Ehemann Hans-Joachim Flaßhoff vor mehr als zehn Jahren im Ort hoch über dem Schwarzatal niederließen, da nahm sich das kulturelle Angebot in dem kleinen Dorf noch recht bescheiden aus. Das hat sich bis heute schon erheblich zum Positiven geändert, und die beiden ehemaligen Rudolstädter haben daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Die Werkstatt von Kati Zorn und die von ihr ins Leben gerufene Schauporzellanmanufaktur locken jedes Jahr zahlreiche Besucher in die Bergbahnregion; Kinder, Jugendliche, Kreative und Hobbykünstler machten hier die ersten Schritte auf dem Gebiet der Porzellanmalerei und –gestaltung. Doch Kati Zorn und Hans Flaßhoff sind mit dem Erreichten noch lange nicht zufrieden. „Sicher sind das Angebot kultureller Veranstaltungen und die Möglichkeiten kreativer künstlerischer Tätigkeit in unserem Landkreis sehr vielfältig“, räumt Kati Zorn ein, „ doch für jene, die in den Dörfern und Gemeinden wohnen und leben, sind viele Angebote nur eingeschränkt nutzbar.“ Besonders abends und in Zeiten, wenn die Touristen abgereist sind, beschränkt sich das Freizeitangebot eher auf den Gang in die Wirtschaft und die traditionelle Runde am Stammtisch. Im März gingen Zorn und Flaßhoff daran, Nägel mit Köpfen zu machen. Zunächst gründeten sie eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft, um ihren Plänen eine wirtschaftliche Basis zu geben; gleichzeitig machten sie sich daran, Unterstützer für ihre Idee zu werben. Und natürlich musste ein Konzept her, damit aus Ideen konkrete Pläne wurden. Das ist nun fertig, und wer die Künstlerin, die ihren Erfolg neben ihrem Talent vor allem der Zähigkeit und Beharrlichkeit verdankt, mit der sie alle ihre bisherigen Vorhaben verfolgt hat, der weiß, dass hier ein ausgereiftes und wohlüberlegtes Projekt im Entstehen ist. In einem Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zur Werkstatt von Kati Zorn soll die neue Kunst- und Kulturstätte entstehen. „Wir wollen weder ein Dorfkulturhaus noch einen Jugendclub der herkömmlichen Art, wir wollen mehr: ´KultourvorOrt` soll ein Podium werden zur künstlerischen Entfaltung für die Einwohner der Region, für Künstler aus nah und fern, für Kulturinteressierte und –besessene, für Kinder und Jugendliche genauso wie für die Generation 50 plus“, fasst Hans Flasshoff die Projektidee zusammen. Ausstellungen sollen hier stattfinden, Konzerte, Puppentheater, Workshops, Vorträge, Seminare und andere Veranstaltungen rund um Kunst und Kultur. Dass eine solche Vision, hat sie erst einmal Fahrt aufgenommen, ausstrahlen wird auf die gesamte Region, das ist vielen, bei denen Kati Zorn und Hans Flaßhoff anklopften, schon jetzt bewusst. Und so reicht die Liste derjenigen, die ihre Unterstützung schon zusagten von Kultusminister Christoph Matschie, der Bundestagsabgeordneten Carola Stauche, dem Landtagsabgeordneten Gerhard Günther und Landrätin Marion Philipp über die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden bis hin zu Künstlern aus der Region, die Liste wird beinahe täglich länger. Auch auf den Tourismus wird ein solches Zentrum eine nicht zu unterschätzende Sogwirkung auslösen, sind sich viele der potenziellen Förderer sicher, aktuelle Studien sagen voraus, dass der Trend in den nächsten Jahren auf eine Mischung von Naturerlebnis- und Kulturtourismus hinausläuft. Dazu passt das Konzept der Initiatoren wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Im Herbst soll es nun richtig losgehen: einige Veranstaltungen sind bereits fest geplant. Am 20. August werden sich Kreative und Hobbykünstler zum 7. Cursdorfer Kreativ-Sommer treffen, der auch künftig in dem Konzept eine herausragende Rolle spielen soll. Rüdiger Manig, Leiter der Wetterstation des DWD in Neuhaus und passionierter Hobbyfotograf, wird im Oktober Interessantes und Neues von der Wetterfront berichten. Auch zwei interessante Buchlesungen werden stattfinden. Und wer weiß, vielleicht wird der kleine Ort hoch über dem Schwarzatal in naher Zukunft zu einem Mekka für all jene, die in ihrer Stadt oder in ihrem Dorf Angebote vermissen, die gerade in Cursdorf vorbereitet werden. So wie der Cursdorfer heute regelmäßig ins Theater nach Rudolstadt, so fährt dann der Rudolstädter zum Puppentheater für Erwachsene nach Cursdorf. Oder zur Blues-Session. Eine sympathische Vorstellung! 27.07.2011 Lutz Lindner